kαirós 
Menschen und Kulturen.... 

„Mensch, sah der gut aus!“, meine Freundin stößt mich in die Rippen, grinst breit. Auf unserem Spaziergang mit den Hunden rund um die Forstschule Rottenburg kommen uns Studierende entgegengeradelt. Dann und wann bleibt uns die Luft weg. Sie lacht. Unvermittelt erzählt sie: „Meinem Vater ging es genau andersrum…

 

…dem hatten wir bereits vor 20 Jahren verboten, weiterhin mit dem Auto zu fahren. Er kann gut 24 Stunden konzentriert am OP Tisch stehen, aber er schafft es nicht, von zu Hause zum nächsten Supermarkt zu fahren, ohne sich und andere in Gefahr zu bringen. Er fuhr daher mit dem Bus nach Tübingen in die Klinik. Papa trug seine weiße Hose, lässig ein Jeanshemd drüber, hatte seine schulterlangen Haare zu einem Zopf gebunden und einen Rucksack auf dem Rücken. Aus Prinzip setzt er sich im Bus nicht hin, weil er denkt, Ältere bräuchten den Platz. Eine Dame rempelte ihn an: ‚Geh' doch aus dem Weg, ich will vorbei. Und überhaupt, such‘ dir erst mal Arbeit, du Penner!‘ – ‚Liebe Dame‘, gab er freundlich zurück, ‚setzen Sie sich doch. Der Bus schaukelt so sehr, nicht, dass was passiert.‘

 

In der Notaufnahme kam gleich zu Beginn eine völlig aufgelöste Frau. Ellenbogen und Knie aufgeschlagen, sie sei gestürzt. Papa kümmerte sich um sie, bis er Widerstand bei ihr spürte, sie hervorstieß: „Oh, oh, oh. Entschuldigen Sie, bitte entschuldigen Sie. Ich habe Sie Penner genannt. Oh, oh, und jetzt bin ich in Ihren Händen!“

 

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