kαirós 
Menschen und Kulturen.... 

In einem Interview Anfang Mai 2017 sprach Isabelle Parize, Vorsitzende der Geschäftsführung (CEO) der Douglas GmbH, über die kulturelle Verfasstheit von Cremes und Düften. Franzosen seien Angeber, gäben in Sexualität und Körper mehr vor, als sie drauf hätten, Italienerinnen schmieren sich Schminke über ihre fiktiven oder vorhandenen Falten ins Gesicht und Deutsche bevorzugen den nude-look. Heißt: Falten sind Zeichen des Lebens. Bitteschön!

 

Bei den Gerüchen differenziert sie ebenso. Franzosen empfänden starke Parfüms als Eingriff in die Privatsphäre des Gegenübers. Der Duft darf komplex differenziert, aber nicht aufdringlich sein. Deutsche Geruchsnoten sind klar, stark und amerikanische unisex. Interessant sei jedoch seit der Finanzkrise, dass Düfte in Europa etwas lieblich Süßes brauchen. Vanille, Himbeere oder gar ein Gummibärchenhauch geben eine heimelige Atmosphäre. Diese Parfüms suggerieren Sicherheit und symbolisieren den Rückzug ins Private. Die Welt mit ihren Geschehnissen und Informationen überfordert, der Kindheitsgeruch stabilisiert. Nude-look, klarer Duft mit Himbeere und Rückzug ins Private. Dankeschön!

Was hat das mit „Wir schaffen das!“, Angela Merkel, 31. August 2015, zu tun?

„Wir schaffen das“ ist sicherlich kein Rückzug ins Private, eher eine klare Ansage an ein öffentlich ziviles wie demokratisches Leben in Deutschland, die dieses „Wir“ mitgestalten möchte. Einerseits. Andererseits schwingt etwas Privates mit, betrachtet man die Organisation von den Ehrenamtsgruppen in der Flüchtlingshilfe. Sie schossen wie Pilze aus dem Boden, meist unkoordiniert, mit eigenen Ideen, Plänen, maximaler Flexibilität und einer Energie, die an die Ausdauer eines Marathonläufer erinnert. Und doch kann ich dem Argument mit dem Rückzug ins Private etwas abgewinnen, wenn ich genau diese Freiwilligkeit und das Engagement der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe ansehe. Wenn sich zum Beispiel eine Gruppe von ca. 15 Ehrenamtlichen in einem Dorf mit 2000 Seelen über 13 Monate ausschließlich um eine syrische Familie kümmert, dann staune ich. Das Programm ist umfassend: Integrationskurs für den Vater organisieren, der meint, er könne deutsch, jedoch selten spricht, Einzelsprachkurs für die dreifache Mutter anbieten, Aushalten, dass die Mutter den Sprachkurs dann und wann verlegt, weil des achtmonatige Baby die Zeit nicht hergibt oder sie Bauchweh hat. Sorge um den kleinen Jungen, der durch Gärten und Straßen ohne Aufsicht streunt, ihn in den Kindergarten bringen, wenn die Mutter es nicht macht, Arzttermine buchen samt Hin- und Rückfahrt mit dem Privatauto und Ämtergänge.

Hier geht es wirklich trotz öffentlich gesellschaftlicher Arbeit um das Private. Betreuung, Fürsorge, Hilfestellungen, Zweifel, die aufkommen angesichts des Angebots, ob es nicht bald reicht oder gar eine Bevormundung ist, können auch darauf basieren, dass die Helfer sich wünschen, diese Familie gehöre ins Dorf, lerne die Regeln für das gemeinsame Leben. So, dass es eben ruhig und geordnet weiterläuft, mit all seinen Höhen und Tiefen, wie bisher auch. Vielleicht steht hinter dem starken Einsatz der Wunsch nach Gummnibärchengeruch, der stabilisiert.

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