kαirós 
Menschen und Kulturen.... 

„‘Ein Kommentar meiner Kollegin aus Norddeutschland klingt nach. Sie sagt, sie empfindet Schwaben im Alltag als unfreundlich. In Norddeutschland sei man viel freundlicher. Sie hätte sich nun überlegt, ob verschiedene "Stämme" einfach unterschiedliche Vorstellungen von "freundlich" hätten.
Wir haben dann darüber spekuliert, ob - wenn wir das exakt gleiche Gespräch in einem Laden führen würden - sie es als unfreundlich und ich als normal empfinden würde. Spannend, gell?´“

 

Auf diesen Kommentar einer Seminarteilnehmerin antwortete ich mit Augenzwinkern:

Stämme neigen dazu, ethnozentristisch zu sein. Heißt, die eigenen Werte, Normen, Handlungsweisen und Denkmuster sind der Nabel der Welt. Von ihm aus werden die Anderen beurteilt. Bei den Römern waren die Anderen die Wilden, die Barbaren, freundlich übersetzt: die Laller, da man sie nicht verstand.
Diesen Vorwurf müssen sich Schwaben, vor allem die Ureinwohner mit ihrer weit gedehnten dialektalen Nuschelgrenze, gefallen lassen. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Eine mag jedoch sein, dass der Schwabe an und für sich das fremde Gegenüber erst einmal testet, wie hart es in Sachen geschnuschelter Distanz im Nehmen ist. Wenn der Widerstand langsam bricht, kann man sich näher kommen. Im Gegensatz zu den Küstenstämmen, in denen zum einen aus Kartoffeln Köm bzw. der Klare gebrannt wird, landen Kartoffeln in Schwaben als Schupfnudel oder „Bubaspitzle“ in der Pfanne. Zum anderen weht hier ein lauer mediterraner Wind, der einlädt, ein Viertele in aller Ruhe zu schlotza, statt der steifen Brise mit Kurzen zu trotzen. Wer also – vermutlich aufgrund der geographischen Lage und der klaren Sprache – wenig Zeit hat, gemeinsam zu trinken, der muss umgehend freundlich sein. Egal wie sympathisch oder unsympathisch der Stammesgenosse ist.

Der Schwabe hingegen amüsiert sich köstlich über die eilends hochgezogenen Augenbrauen der Fremden, die es nicht fassen können, dass er als Bruddler im Land der Dichter und Denker eine barbarische Provinzialität an den Tag legt. Spannend, gell?

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